Die dreidimensionale Lebensmittelpyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung

in Ernährungsweise

Eine gesunde Ernährung besteht vor allem in der Ausgewogenheit der verschiedenen Lebensmittel. Unterschiedliche Informationen von Seiten der Hersteller und teils stark voneinander abweichende Empfehlungen von Ernährungsratgebern sorgen bei vielen Verbrauchern für Verwirrung.

Richtige Ernährung ist oftmals Ansichtssache, so scheint es. Dennoch gibt es offizielle Richtlinien, an denen sich der Konsument orientieren kann. Fast schon ein „Klassiker“ unter den Ernährungsleitfäden ist die Lebensmittelpyramide. Die 1953 gegründete Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat es sich nach dem Vorbild der USA zur Aufgabe gemacht, Empfehlungen und Leitlinien für eine ausgewogene Ernährung aufzustellen. Die Lebensmittelpyramide der DGE soll dem Verbraucher eine grundlegende Orientierungsmöglichkeit auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung an die Hand geben. Die seit 1992 gültige Aufteilung der Lebensmittelpyramide sah als Basis Getränke (täglich mindestens eineinhalb Liter Flüssigkeit, vornehmlich Mineralwasser), als nächsthöhere Stufe Getreideprodukte wie Brot, Reis oder Nudeln vor. Darauf folgten Gemüse und Obst, beides mindestens zwei bis drei Mal täglich, gefolgt von eiweißhaltigen Lebensmitteln wie Fisch und Milchprodukten. Die vorletzte Stufe der Pyramide empfahl zwei bis drei Mal pro Woche Fleisch und Eier. An der Spitze der Pyramide schließlich fanden sich tierische Fette und zuckerhaltige Produkte wie Süßigkeiten. Dazu empfahl die DGE zwei bis drei Mal 20 bis 30 Minuten Sport pro Woche und einen nur mäßigen Alkoholkonsum.

Die Kritik an der stark kohlenhydratbasierten Lebensmittelpyramide wuchs jedoch zunehmend, so dass diese 2005 von der DGE überarbeitet wurde. Die neue, dreidimensionale Pyramide wurde schließlich in Zusammenarbeit mit aid-Infodienst und dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz entwickelt. Sie basiert auf den sogenannten „10 Regeln der DGE für vollwertiges Essen und Trinken“, sowie den wissenschaftlich fundierten Daten der „D-A-CH Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr“. Berücksichtigt wurden laut DGE auch das zunehmende Problem der Übergewichtigkeit sowie veränderte Lebensstile. Die Regeln empfehlen: vielseitiges Essen, reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln, fünf Mal am Tag Obst und Gemüse, einen täglichen Anteil Milch und Milchprodukte sowie ein bis zwei Mal in der Woche Fisch, Fleisch oder Wurstwaren, außerdem Eier in Maßen, einen deutlich beschränkten Verzehr von Fett und fetthaltigen Lebensmitteln, den maßvollen Verzehr von Zucker und Salz, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die schonende Zubereitung der Speisen zur Erhaltung der enthaltenen Vitamine und Nährstoffe. Schließlich empfiehlt die DGE, sich ausreichend Zeit zum Essen zu nehmen und dieses in Ruhe zu genießen, sowie, als letzte der zehn Regeln, regelmäßige Bewegung und Sport von etwa 30 bis 60 Minuten pro Tag.

Die Basis, also Unterseite, der dreidimensionalen Lebensmittelpyramide bilden die fünf Lebensmittelgruppen. Die unterschiedlich großen Segmente zeigen, wie viel jeweils aus den einzelnen Produktgruppen konsumiert werden soll. Dabei nehmen, anders als bei der alten Ernährungspyramie, Obst und Gemüse den größten Teil der Fläche ein, gefolgt von Getreideprodukten. Den drittgrößte Bereich machen Milchprodukte aus, schließlich Fette und Öle. Im Zentrum dieses „Ernährungskreises“ stehen energiearme, alkoholfreie Getränke. Die Seiten der Pyramide bieten erweiterte, ernährungsphysiologische Informationen zu den einzelnen Lebensmitteln. Hier wird auch die Qualität der Produkte genauer dargestellt: Produkte, die sich für den häufigen Verzehr eignen, wie beispielsweise Gemüse, Obst, mageres Fleisch oder Rapsöl, stehen unten, während etwa Limonade, Butter, Energydrinks oder Süßigkeiten im oberen Bereich des Seitendreiecks angesiedelt. Die vier Seiten der Pyramide wurden dabei nach folgenden Kriterien erstellt: Lebensmittel pflanzlichen und Lebensmittel tierischen Ursprungs nach ihrer jeweiligen Energie- und Nähstoffdichte, Fette und Öle nach der Qualität und Zusammensetzung ihrer Fettsäuren, ihres Vitamingehalts und schließlich, als vierte Gruppe, Getränke nach ihrem Energiegehalt, essentiellen Nährstoffen, sekundären Pflanzenstoffen und eventueller Zugabe von Süßungsmitteln. So soll nicht nur der Quantität der Angaben zum Verzehr, sondern gleichermaßen der Qualität der einzelnen Lebensmittel entsprochen werden. Die alltagsnahe, verbraucherfreundliche Darstellung der Lebensmittelpyramide soll, so die DGE, auch der individuell ausgewählten Ernährungsweise entgegenkommen.

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